Biomedizintechnische Studie weist den heilenden Wert von Magneten nach
Nachrichtenquelle: Research News

2. Januar 2008 — Schon seit den alten Griechen werden die Heileigenschaften von Magneten stark angepriesen. Noch heute wird die Magnettherapie weitverbreitet als alternative Behandlungsmethode für verschiedene Beschwerden von Arthritis bis Depression eingesetzt, jedoch gab es bislang keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Magnete heilen können. Dank großzügiger Vorschriften und einer breiten öffentlichen Anerkennung entwickelte sich aus der Magnettherapie ein weltweiter Markt von 5 Milliarden Dollar. Gestützt auf eine legendäre Wirksamkeit kaufen erwartungsvolle Verbraucher Armbänder, Kniestutzen, Schuheinlagen, Matratzen und andere Produkte mit eingebauten Magneten in der Hoffnung, eine nicht-invasive und arzneimittelfreie Lösung für ihre Beschwerden gefunden zu haben. „Die FDA reglementiert spezifische Ansprüche an medizinische Wirksamkeit, aber im Allgemeinen werden statische Magnetfelder für ungefährlich gehalten“, bemerkt Thomas Skalak, Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Biomedizintechnik an der Universität von Virginia.

Seit mehreren Jahren bereits studiert Skalak Magnete mit großer Sorgfalt, um echte wissenschaftliche Beweise für die Wirksamkeit der Magnettherapie zu erhalten. Das Labor von Professor Skalak nimmt einen führenden Platz in der Mikrozirkulationsforschung ein, d.h. dem Studium der Durchblutung kleinster Blutgefäße im Körper. Mit einer auf 5 Jahre ausgelegten Unterstützung in Höhe von $ 875,000, die vom National Center for Complementary and Alternative Medicine der National Institutes of Health gewährt wurde, begannen Skalak und Cassandra Morris, ehemalige Doktorandin in Biomedizintechnik, die Wirkung der Magnettherapie auf die Mikrozirkulation zu untersuchen. Dabei überprüften sie zunächst eines der Hauptargumente der Magnetprodukte verkaufenden
Firmen: die Erhöhung der Durchblutung durch Magnete. Die ersten Beweise, die diesen Anspruch unterstützten, entdeckten die Wissenschaftler in Forschungsversuchen mit Laborratten. In ihrer ersten Studie wurden Magnete mit einer Feldstärke von 70 Millitesla (mT) - ca. zehnmal so stark wie gewöhnliche Kühlschrankmagnete - in der Nähe der Blutgefäße der Ratte platziert. Quantitative Messungen des Gefäßdurchmessers wurden vor und nach der statischen Magnetfeldexposition durchgeführt, d. h. vor und nach der Belastung mit der durch die Magnete erzeugten Kraft.

Morris und Skalak fanden heraus, dass diese Kraft eine bedeutende Wirkung ausübte: die geweiteten Gefäße wurden verengt und die verengten Gefäße wurden geweitet. Dies deutete darauf hin, dass das Magnetfeld, in Körpergeweben mit eingeschränkter Blutversorgung, zu einer Entspannung der Gefäße führen und letzten Endes die Durchblutung erhöhen konnte. Die Dilatation von Blutgefäßen ist häufig eine wichtige Ursache von Schwellungen an Körperstellen, an denen das Weichgewebe, wie z. B. Muskel oder Bänder, verletzt wurde. Die erhaltenen Ergebnisse bezüglich der Gefäßverengung führten Morris und Skalak zu einer näheren Untersuchung, um herauszufinden, ob Magnete in solchen Fällen auch Schwellungen mindern würden, indem sie die Durchblutung einschränkten. Ihre letzte, in der November-Ausgabe 2007 der Zeitschrift American Journal of Physiology veröffentlichte Untersuchung berichtete positive Ergebnisse.

In der Studie wurden die Hinterpfoten von anästhesierten Ratten mit entzündungsauslösenden Stoffen behandelt, um Gewebebeschädigungen zu simulieren. Anschließend wurden die Pfoten einer Magnettherapie ausgesetzt. Die Forschungsergebnisse zeigen, dass Magnete Schwellungen erheblich mindern können, wenn sie unmittelbar nach der Verletzung des Gewebes angewandt werden.

Da Muskelprellungen und Gelenkverrenkungen die weltweit am häufigsten vorkommenden Verletzungen sind, hat diese Entdeckung weitreichende Konsequenzen. „Wenn eine Verletzung nicht anschwillt, kann sie schneller heilen - und der Verletzte hat weniger Schmerzen und eine bessere Bewegungsfreiheit“, meint Skalak. Das bedeutet, dass Magnete ganz genau wie Eisbeutel und Kompressionen auch für einfache Verrenkungen, Beulen und Prellungen benutzt werden könnten, aber wohltuender wirken würden. Die einfache Verfügbarkeit und die niedrigen Kosten einer solchen Behandlung könnten enorme Gewinne an Arbeitsproduktivität und Lebensqualität mit sich bringen.

Skalak kann sich vorstellen, dass Magnete für High-School-, College- und Berufssportmannschaften sowie auch für Schulkrankenschwestern und Rentnersiedlungen besonders nützlich sein werden. Er plant, die Wirksamkeit von Magneten durch klinische Studien und Versuche bei Hochleistungssportlern weiterzutesten. Ein Schlüssel zum Erfolg der Magnettherapie bei Gewebeschwellungen ist die sorgfältige Handhabung der richtigen Feldstärke an der Verletzungsstelle, eine Herausforderung, die die meisten der aktuell im Handel verfügbaren Magnetsysteme nicht erfüllen. Die neue Forschung sollte es Skalaks biomedizintechnischer Untersuchungsgruppe erlauben, Feldstärken zu konzipieren, die für spezifische Verletzungen und Körperteile einen wirklichen Nutzen bringen.

"Wir hoffen jetzt, eine Reihe von Schritten durchzuführen, einschließlich dem Engagement privater Investmentpartner und, zu gegebener Zeit, eines großen Unternehmenspartners, um diese sehr weit verbreiteten Anwendungen, die einen positiven Einfluss auf die menschliche Gesundheit haben werden, realisieren zu können."